Visnja Golic im Gespräch: Erfahrungen einer kroatischen Betreuungskraft in Deutschland

Frau Višnja, Sie arbeiten seit über vier Jahren als Betreuungskraft in Deutschland. Was hat Sie dazu bewegt, diesen Beruf zu ergreifen?

Nach dem Tod meines Mannes, der Corona-Pandemie und dem Erdbeben im Jahr 2020 bin ich von Zagreb nach Jelsa auf der Insel Hvar gezogen, von der mein Vater stammt und wo meine Familie ein sehr altes Haus besitzt. Nach ein paar Monaten fragte mich meine Cousine aus Split, ob ich in Jelsa ihre Mutter, meine Tante Vanja, betreuen könnte, während ihre Pflegekraft nach langer Zeit zwei Monate zu ihren Kindern fahren wollte. Tante Vanja litt an Alzheimer, aber sie wusste, wer ich bin und aus welcher Familie ich komme, und hat mich gut angenommen. Ich sagte zu. Als ihre Pflegekraft zurückkam, begannen andere Leute auf der Insel Hvar mich zu fragen, ob ich mich um ihre Mütter, Schwiegermütter oder Großmütter kümmern könnte. Vor meiner Pensionierung habe ich in Export-Import-Firmen gearbeitet, aber durch die jahrelange Betreuung meines kranken Mannes habe ich sehr viel über Pflege gelernt. Er war zu 100 % behindert, vollständig blind, fast taub, hatte 31 Operationen hinter sich – die letzte war eine Nierentransplantation – und war danach insulinpflichtig. In seinen letzten Lebensjahren war er vollständig bettlägerig, hatte einen Katheter und eine Magensonde, und ich war für alles zuständig: ich habe ihn gewaschen, über die Sonde ernährt, ihm Medikamente gegeben. Ich hatte also eine langjährige praktische Erfahrung in der Pflege.

Ich spreche sehr gut Deutsch – gelernt habe ich es von meiner deutschen Großmutter, die mich betreute, während meine Eltern studierten. Ich dachte mir, dass ich lieber nach Deutschland gehe als in Kroatien zu arbeiten, weil dieser Beruf dort besser bezahlt ist. Ich suchte im Internet nach einer Agentur für Betreuungskräfte. Linara war ganz oben auf der Liste. Ich rief an, das Gespräch verlief auch auf Deutsch, ich schickte alle erforderlichen Unterlagen und ein Foto – und bekam sofort ein Stellenangebot.


Was hätten Sie sich selbst in dem Moment gewünscht, als Sie sich das erste Mal auf den Weg nach Deutschland machten? Mit welchen Gedanken würden Sie sich heute Mut machen?

Der telefonische Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Linara Faircare war von Anfang an sehr angenehm – professionell, herzlich und warm. Ich hatte großes Vertrauen und überhaupt keine Angst vor der bevorstehenden Reise. Ich spreche gut Deutsch, das Ehepaar, das ich betreuen sollte, hatte weniger gesundheitliche Probleme als mein verstorbener Mann, und ich fuhr mit dem Wunsch los, ihnen zu helfen, ihre alters- und krankheitsbedingten Einschränkungen besser zu bewältigen.

Ich hatte auch gehört, dass die Familie sehr freundlich ist, eine Tochter wohnt ein paar Häuser weiter, und die ganze Familie ist ausgesprochen angenehm. Ich kann kochen, bin ordentlich, fleißig, lebensfroh, optimistisch und mag Menschen. Warum sollte ich also Angst haben?

Ich fuhr mit dem Bus nach Berlin und dann mit dem Zug mit mehreren Umstiegen nach Wusterhausen. Ich hatte mein Handy, die Telefonnummer der Familie, ausreichend Geld und gute Deutschkenntnisse, falls es zu Problemen kommt – und Linara als Unterstützung. Es gab also keinen Grund, Angst zu haben.

Linara Faircare hatte für mich eine Familie gefunden, bei der ich arbeiten sollte, das Honorar war für kroatische Verhältnisse sehr gut. Ich bekam den Vertrag pünktlich zur Unterschrift, das Reiseticket rechtzeitig, Informationen über die Reise und über die Familie. Sie kontaktierten mich vor der Abfahrt und ein Familienmitglied holte mich vom Zug ab… alles war perfekt organisiert. Ich hatte großes Vertrauen in Linara und keine Spur von Angst bei meiner ersten Reise zur Arbeit nach Deutschland.


Die Arbeit in einem anderen Land erfordert immer Anpassung. Was hilft Ihnen, sich auch weit weg von Ihrer Familie sicher und „wie zu Hause“ zu fühlen?

Meine Familie ist multinational. Mein Mädchenname ist italienisch, eine Großmutter war Deutsche, die andere Ungarin, und wir haben Verwandte in ganz Europa – darunter auch Mexikaner und Chinesen. Wenn wir zusammenkommen, wird immer in mehreren Sprachen gesprochen.

Ich bin in meinem Leben oft umgezogen, deshalb war es für mich kein Problem, mich an eine Familie in Deutschland anzupassen. Was mir allerdings gefehlt hat, war der Blick aus dem Fenster aufs Meer – und Kroatien mit all seinen Problemen. Und Mangold mit Olivenöl. Aber nun, ein paar Tage nachdem ich in Zagreb war, vermisste ich Jelsa und das Meer. In Deutschland fühlte ich mich jedenfalls vollkommen sicher. Dank moderner Technologie konnte ich täglich mit meiner Familie sprechen und sie sehen. Auch kroatische Fernsehsender waren für mich verfügbar, ich konnte Fußballspiele mitverfolgen, wenn „unsere“ gespielt haben.


Sie sprechen sehr gut Deutsch. Wie sehr hilft Ihnen das im Alltag? Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen die Sprache den Zugang zu den Menschen erleichtert?

Ganz klar: Gute Sprachkenntnisse sind im Alltag extrem hilfreich – besonders bei gesundheitlichen Problemen, aber auch bei alltäglichen Themen wie Lieblingsessen, Zutaten, dem Kochen. Manchmal baten mich Pflegekunden, ihnen etwas aus der Zeitung vorzulesen. Auch wenn jemand wenig spricht, kann ich ihn beruhigen – nicht nur durch eine Umarmung, sondern auch mit Worten.

Manchmal war sehr gutes Deutsch sogar Voraussetzung: zum Beispiel bei Personen, die sich auch Gesellschaft wünschten – zusammen fernsehen, alte Filme schauen, über Schauspieler sprechen, gemeinsam Weihnachtslieder singen. Ohne Deutschkenntnisse auf B1-Niveau würde ich diesen Beruf nicht ausüben. Ich konnte problemlos mit dem Arzt, der Apotheke, beim Metzger, beim Zahnarzt kommunizieren – und auch auf Reisen ist Sprachsicherheit von großem Wert.

Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Eigenschaften für jemanden, der in einer Familie arbeitet? Was hilft beim Aufbau von Vertrauen und Sicherheit?

Anpassungsfähigkeit ist besonders wichtig – auch bei scheinbar leichten Einsätzen, bei denen man eher eine Begleitperson ist als eine Pflegekraft. Man muss sich den Gewohnheiten und Vorlieben der betreuten Personen anpassen, unabhängig davon, was man selbst davon hält. Ältere Menschen sind selten offen für Veränderungen und lieben ihre Routinen. Und auch wenn wir als Fremde zu ihnen kommen, lassen sie uns in ihr Zuhause und ihre Privatsphäre. Das ist für sie oft schwieriger als für uns. Wir sind gesund – sie sind krank oder hilfsbedürftig oder beides und brauchen uns.

Empathie ist unerlässlich – nicht Mitleid. Geduld, Toleranz, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft. Man
sollte ihnen zuhören – besonders wenn sie von früher erzählen, von Zeiten, in denen sie jung und gesund waren.

Es ist wichtig, rund um die Uhr für sie da zu sein. Sie rufen uns nachts nicht, um uns zu stören, sondern weil sie Schmerzen haben, Angst oder einfach jemanden zum Festhalten brauchen. Ich habe bei mehreren Einsätzen auf ein Babyfon bestanden, um sie besser zu hören und schnell reagieren zu können. Wenn wir uns so verhalten, vertrauen sie uns und fühlen sich sicher bei uns.


Haben Sie im Laufe Ihrer Arbeit Situationen erlebt, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind – berührende, warme oder vielleicht sogar lustige Momente?

Ja, viele. Als ich meinen ersten Einsatz beendete, überreichte mir Herr Max im Namen der Familie ein Geschenk, küsste mich, ebenso seine Frau – dann haben wir uns zu dritt umarmt und wie Kinder geweint. Sie waren mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Leider ist Herr Max kurz nach meinem Weggang verstorben. Seine Frau lebt noch, inzwischen im Pflegeheim. Mit der Tochter habe ich weiterhin Kontakt. Eine Dame, die Süßes liebte, konnte nicht abwarten, bis die Kuchen fertig waren – also backte ich nachts, wenn sie schlief. Sobald sie etwas roch, war sie in der Küche. Ich musste ihr schon ein Stück ohne Glasur geben – dazu jede Menge frisch geschlagene Sahne. Ich erinnere mich auch gern an eine Dame, der ich Lockenwickler machte – ihr Mann war begeistert, machte ihr unzählige Komplimente, sie war überglücklich. Die meisten, die ich betreut habe, leben leider nicht mehr.


Was ist Ihnen in diesem Beruf am wichtigsten? Was bringt Ihnen dieser Beruf persönlich?

Das Wichtigste ist für mich, dass mich die Menschen als Person annehmen, mir vertrauen, spüren, dass ich 24 Stunden für sie da bin, nur ihr Wohl im Blick habe und mir keine Mühe zu groß ist. Ob es darum geht, gebackene Äpfel im Teig zu machen oder ein einzelnes Blatt vom Rasen zu holen, das meine Dame durchs Fenster gesehen hat – oder nachts bei ihnen zu bleiben, wenn nötig.

Natürlich ist es nicht immer einfach – manche Krankheiten, besonders Demenz, lassen keine Kommunikation zu oder führen zu unangenehmen Situationen. Ich mag Einsätze, bei denen ich wirklich helfen kann – wenn die Person bewusst wahrnimmt, dass wir spazieren gehen, duschen, gut essen. Ich war sehr glücklich, als mir der Sohn von Frau Marie sagte, dass seine Mutter sich bei mir immer sicher fühlte. Dieser Beruf hat mir viel gegeben – einiges wusste ich über mich, anderes habe ich erst entdeckt. Ich bin stolz auf die Bewertungen, die ich bekommen habe, und darauf, wie gut ich aufgenommen wurde.

Ich habe mein Deutsch verbessert, nachdem ich es lange nicht mehr regelmäßig gesprochen hatte. Ich habe den Online-Kurs von Linara erfolgreich absolviert. Ich bin jetzt 74 Jahre alt, fühle mich sehr fit und freue mich, wenn die Familie (erstaunt) sagt, wie rüstig ich noch bin. Während viele Gleichaltrige über Schmerzen klagen oder kaum mehr mobil sind, kann ich noch arbeiten, lange Busreisen machen, neue Orte in Deutschland entdecken – und dabei auch noch Geld verdienen. Das erfüllt mich mit großer Zufriedenheit. Ich denke, wir älteren Betreuungskräfte verstehen die Probleme der Pflegebedürftigen manchmal besser als junge Menschen – weil auch wir uns langsam dem Alter nähern, in dem wir selbst Hilfe brauchen werden.


Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit während Ihrer Aufenthalte in Deutschland? Haben Sie Zeit für sich selbst, für Erholung oder Kreativität?

Bei manchen Einsätzen hatte ich sehr wenig Freizeit, bei anderen war ich jeden Nachmittag frei. Aber mit Handy, Laptop und allem, was darauf installiert ist – inklusive Hörbüchern – ist das kein Problem. Ich finde immer Zeit, um mit meiner Familie und Freunden zu telefonieren.

Ich bin immer noch die Sekretärin des Radioclubs der Blinden „Louis Braille“, dem ich seit 40 Jahren angehöre. Ich bin Funkamateurin, beschäftige mich mit Wettbewerben, Projekten, Berichten, Versammlungen… An freien Tagen oder Stunden erkunde ich die Städte oder die Umgebung. Ich habe unzählige Fotos gesammelt, die mich an alle Orte erinnern, an denen ich gearbeitet habe.


Sie arbeiten schon seit Jahren mit der Agentur Linara FairCare zusammen. Was macht diese Zusammenarbeit für Sie zuverlässig und angenehm? Warum bleiben Sie bei uns?

Ich arbeite seit Jahren mit Linara FairCare zusammen und bin überaus zufrieden. Alle bei Linara sind professionell und zugleich herzlich und freundlich. Wenn ich euch um etwas bitte, meldet ihr euch, seid immer für uns da – auch wenn es mal Probleme mit einer Familie gibt, bei der die Situation nicht wie beschrieben ist. Ihr seid verständnisvoll, tröstet uns, findet Lösungen und steht auf unserer Seite. Ihr denkt an uns zu Feiertagen, überrascht uns mit Geschenken…

Ich spreche auch mit anderen Betreuungskräften – mit vielen bin ich noch in Kontakt – und alle sind begeistert von unserer Agentur. Die Mitarbeitenden machen den größten Unterschied, gefolgt von der typisch deutschen Organisation bei Verträgen, Abrechnungen, Zahlungen, Steuern. Ich bleibe bei euch, weil ihr einfach perfekt seid!

Was würden Sie jemandem sagen, der über eine Tätigkeit im Ausland nachdenkt, sich aber noch nicht traut, diesen Schritt zu machen? Was wäre aus Ihrer Sicht der erste Schritt?

Aus meiner Sicht sollte man ohne grundlegende Sprachkenntnisse des Ziellandes diesen Schritt gar nicht erst in Erwägung ziehen. Wenn das aber gegeben ist – dann mit Vertrauen an Linara FairCare wenden. Dann wird alles gut!